— Last journey —
Mehr als verdient geht klein Connilein seine letzten beiden Wochen nach Arbeitsende in die Karibik. Kontakte gabs dort mittlerweile genug um überall irgendwie unterzukommen und auch Sehenswürdigkeiten en masse. 20h Busfahrt später schon angekommen, Betäubungspillen halfen herzlich wenig. Und als man aus dem Bus ausstieg und gegen eine Hitzewand prallte, wurden meine Befürchtungen wahr, dass gleich nach der Karibik die Hölle kommen muss, was Temperaturen angeht. Bogotá gilt ja als einer der kältesten Orte Kolumbiens, für mich war es schlichtweg rundum angenehm, das ganze Jahr über solch gemütliches Wetter zu haben. Man braucht nur T-Shirt und Pullover, bzw. Unterhemd und Businesshemd, das reicht schon… Hab immer noch nicht verstanden, warum alle Kolumbiander dann dennoch mit Mantel, Schal und Jacke rumlaufen. Tsss…
— Sights of the colombian Carribean Sea —
Von Ciénaga Magdalena mit einer einzigartigen Mangrowenbaumlandschaft in der Lagune nach Baranquilla, 4.grösste Stadt und dort in den Zoo, wollten den Ligre sehen, halb Löwe, halb Tiger. Aber leider wurde die einzigartige Kreuzung vor Jahren bereits erschossen, weil die Tierärztin das noch nicht komplett narkotisierte Tier zu früh untersuchen wollte, wobei sie vom Ligre getötet wurde. Fast völlig zurecht, möchte man bei soviel Blödheit meinen, aber wieso anschliessend auch der Ligre erschossen statt betäubt wird, das versteht wohl auch kein Mensch. Ein Traum waren dafür aber meine Lieblingsechsen, die sich in jedes zweite Gehege mit eingeschmuggelt hatten, die Iguanas. Ob auf dem Fussgängerweg, beim Flusspferd, bei Flamingos oder bei Aligatoren. Die haben gerne gegessen und faul in der Sonne rumgefletzt. Eigentlich hab ich in den 2 Wochen Karibik so viele Plätze gesehen, wie nur möglich war: an einem Tag allein vom Nationalpark Tayrona per Anhalter knapp 3h mit nem Fischerboot zurück über andere einsame Strände, wo zwischendurch Schnorchelpause eingefügt wurde… Das war wirklich alles ein doller Zufall. So kam ich dann auf etwas unkonventionellerem Wege ins Fischerdorf Taganga, Abendessen und Zimmer bereits klar gemacht, aber ich entschloss mich dann doch kurzerhand wg Verkehrsstreik auf den Berg zu laufen und von dort doch wieder in die Stadt nach Santa Marta zu fahren, wo ein Freund mich empfing. 
— Uuuund Action! —
An diesem Abend bekam ich dann auch die Nachricht „Morgen 6Uhr am Strandhotel eintreffen, man fährt uns erneut in den Nationalpark Tayrona, gratis Verpflegung am weissen Naturschutzgebietsstrand Bahía Concha.“ Was dort machen!? Statist spielen in einer Soap-Opera. Die Schauspieler sind ja in LA immer die Megastars, verdienen super gut. So, und unter 100 Statisten, Riesenlatinahintern, Silikonbrüsten und Arnold Schwarzenegger- Latinos wurde ich dann auch gleich in die erste Szene eingepflanzt. Gringo-Bonus sozusagen. Sollte mit „meiner Frau“ einen „Taucheranzug kaufen“. Der Tag sonst wurde eigentlich dann von am Strand rumliegen und sonnen, mit Baden und vor allem Schnorcheln verbracht, das alles auch noch bezahlt und Eintritt in den Nationalpark haben wir natürlich auch keinen gezahlt. Geschweige denn den Transport, der anders wohl ziemlich umständlich und langwierig ist. Well… Aber nun kommts: Das bescheuertste was ich in Soaps kenne, sind ja diese Verschmitzt-Blicke am Ende der Szenen wo ich mich immer so fremdschämen muss. Beim Dreh aber gehen diese 2 Sekunden ungefär 20 Sekunden lang. Nur die besten „Hämisch-Grinsen-Blicke“ werden dann auch später tatsächlich verwendet. Ich musste mich also eine gefühlte Ewigkeit fremdschämen. Das andere Lächerliche ist, wenn irgendwo im Film Party ist und die Leute im Hintergrund ja ohne Musik tanzen müssen und nüchtern die super Stimmung miemen müssen. So. Und da wir am Strand waren und gerade die „Jetski Weltmeisterschaften“ waren, gabs auch, hoho wie international, eine dolle Yacht im Hintergrund. So. Und von hundert Statisten sollen 6 auf die Yacht um mit Bikinimädels auf Deck zu tanzen. So. Und nun wird ratet-mal-wer mit 4 Mädels auf die Yacht geschickt. Mann mann mann. Ich bins ja gewohnt ohne Rhythmus zu tanzen, aber auch noch ohne Musik, das ist ganz ganz bitter. Ich also „Jungs bitte oberkörperfrei“ gezwungen mit vier Bikinis auf der Yacht rumzuflirten und meine nicht vorhandenen Muskeln spielen zu lassen, während um uns die Jetskis den „Worldcup“ austrugen. Hehe, der eine wollte extracool und damit extranah am Boot vorbeifahren. Leider driftet man auf Wasser eben anders als auf Land. Und somit hat er einen der drei Aussenboarder gerammt und ist in hohem Bogen ins wasser katapultiert worden. Motor futsch, Yacht wackelt, Conny lacht. Da musste ich die gute Laune wenigstens nicht mehr stellen… Abends um 5 ging dann also ein harter Drehtag zu Ende und es ging zurück nach Ciénaga, wo ich bei Yuris Mom vor dem Bett auf Handtüchern pennte, während die beiden Mädels im Bett lagen. Also alles in allem ein ganz harter Ausflug, die Reise in und an der Karibik.
— Was sonst noch geschah —
In den Bergen waren wir auch, Minca bei Santa Marta besucht, glasklares Wasser und dementsprechend eiskalt, Wasserfälle und Natur bestaunt. Ihr müsst wissen, dass die Sierra de Santa Marta eines der höchsten Küstengebirge weltweit ist, wirklich hammer vom Strand aus die nahen Berge zu sehen. Ausserdem habe ich Geckos gefangen, knallblaue Vögel gesehen, war einsam und alleine am Strand joggen, bin auf nen Kugelfisch draufgetreten und habs überlebt, bin dann weils ja nicht weh genug tat noch barfuss in einen Kaktus reingetreten, war auf einem Promnight Abschlussball von Andrés. Und dank selbstkochen gabs auch nicht mehr die Menge Fleisch für ein ausgewachsenes Mammut (ein Fleischfressermammut versteht sich) sondern nur Banane, Yuca, Reis und Fisch. Besser. Dort geht man übrigens für 50g Butter in den einen Laden, für einen 500ml Milch in den nächsten und für einen 250ml Beutel Wasser in den dritten Laden. Da sagt der Igel dem Fuchs noch gute Nacht… und man fährt mit Fahrradtaxis. Und jeder im Dorf kennt dich… Noch ein Zoo: als ich im Wohnzimmer sass von Yuraimas Mom, blieb eine Horde Schuljungs gut 5min am Gartenzaun hängen, um den Gringo zu bestaunen… Mann hab ich mich bescheuert gefühlt. Wiederum wurde Yuri an der anderen Ecke von Kids gefragt, erkannt und nach Autogrammen gebeten. Also mittlerweile kennt sie die kolumbianische Jugend wohl ganz gut… Fand ich immer wieder amüsant mit solch einem B-Promi…
— Safety first —
Ich darf mittlerweile stolz weil heile verkünden, alles gut überstanden zu haben und die 26h von Bogotá bis Ffm dank gigantischer Anschlussflüge hinter mich bringen können, mich in Karlsruhe peu à peu einzuleben und in einer Woche geht das Studium wieder los. Man hört immer wieder Geschichten bzgl. der Sicherheit, in Kolumbien wird eben toll Propaganda gemacht. In Brasilien würde ich dagegen wohl weniger einen Fuss auf die Strasse setzen aber die Welt denkt ja nur an Samba und Zuckerrohr wenn sie an Brasilien denkt. Philipp wird aus Südafrika auch das ein oder andere weniger angenehme Anekdötelchen erzählen können und die Chinesen sind solch tolle Kontrolleure, dass auf einen Blog wie diesen nicht einmal mehr Zugriff ist. Da wird also alles Schlechte und die Wurzel des Übels, so z.B. Meinungsfreiheit, gleich im Keim erstickt. Also sehe ich in Kolumbien auch keine grössere Gefahr als woanders, wenn man sich etwas clever verhält. Man muss eben wissen, dass für manche Menschen einfach nicht viel auf dem Spiel steht. Die haben nichts zu verlieren. Wortwörtlich. So wurde auch der angesprochene Fuchs und Hase in Ciénaga erschreckt, als gerade um die Ecke zu unserem Haus ein junger Mann 6 Schüsse ins Gesicht bekam, während z.B. Jorge und Yuri gerade um die Ecke nachmittags ein Bier tranken. Hm… aber der ist auch mit einer verheirateten Frau ausgegangen, da wird wohl was durchgesickert sein. Wer jedoch spanisch schon kann, dem empfehle ich dieses Land als Reiseziel, weil einfach wahnsinnig viel zu sehen ist, und 1% der Bevölkerung nicht die Gastfreundschaft und Lebensfreude der restlichen 99% zerschlagen können. Aber darüber berichten die Medien natürlich nicht so gerne. Das erschreckt nämlich weder Fuchs noch Hase.
— All hale Colombia —
So, dann mal schauen. Wir hatten bislang gegrüsst aus dem Land der Todes- und Unheilsbringer-Früchte, der hundertundein Prozent Luftfeuchtigkeit, der weltgrössten Hagelkörner und Parasitenpopulationen, dem Land der reissenden Flüsse, der danach eisigen Füsse, der entgleissenden Flüsse(!), der reisenden Schamanen und reizenden Damen, der bestenbilligsten Fruchtbecher der Welt, dem Land der abertausend Hagelkörner, der männlichsten Hähne der Welt, dem Land der tausend schrägen Töne, warmen Weihnachten, aus Panamá als Land der viel zu vielen Wolkenkratzern, aus dem Amazonas in Peru/Brasilien/Kolumbien als Land der 30 Mückenstiche (pro Knöchel), dem Land der Bananengerichte, Gaukler und Gauner… und zum Abschluss aus dem Land mit den meisten Vogelarten weltweit.
Euer Cornelius



