El Caribe

10 03 2008

— Last journey —
Mehr als verdient geht klein Connilein seine letzten beiden Wochen nach Arbeitsende in die Karibik. Kontakte gabs dort mittlerweile genug um überall irgendwie unterzukommen und auch Sehenswürdigkeiten en masse. 20h Busfahrt später schon angekommen, Betäubungspillen halfen herzlich wenig. Und als man aus dem Bus ausstieg und gegen eine Hitzewand prallte, wurden meine Befürchtungen wahr, dass gleich nach der Karibik die Hölle kommen muss, was Temperaturen angeht. Bogotá gilt ja als einer der kältesten Orte Kolumbiens, für mich war es schlichtweg rundum angenehm, das ganze Jahr über solch gemütliches Wetter zu haben. Man braucht nur T-Shirt und Pullover, bzw. Unterhemd und Businesshemd, das reicht schon… Hab immer noch nicht verstanden, warum alle Kolumbiander dann dennoch mit Mantel, Schal und Jacke rumlaufen. Tsss… 

— Sights of the colombian Carribean Sea —

Fischerboot

Von Ciénaga Magdalena mit einer einzigartigen Mangrowenbaumlandschaft in der Lagune nach Baranquilla, 4.grösste Stadt und dort in den Zoo, wollten den Ligre sehen, halb Löwe, halb Tiger. Aber leider wurde die einzigartige Kreuzung vor Jahren bereits erschossen, weil die Tierärztin das noch nicht komplett narkotisierte Tier zu früh untersuchen wollte, wobei sie vom Ligre getötet wurde. Fast völlig zurecht, möchte man bei soviel Blödheit meinen, aber wieso anschliessend auch der Ligre erschossen statt betäubt wird, das versteht wohl auch kein Mensch. Ein Traum waren dafür aber meine Lieblingsechsen, die sich in jedes zweite Gehege mit eingeschmuggelt hatten, die Iguanas. Ob auf dem Fussgängerweg, beim Flusspferd, bei Flamingos oder bei Aligatoren. Die haben gerne gegessen und faul in der Sonne rumgefletzt. Eigentlich hab ich in den 2 Wochen Karibik so viele Plätze gesehen, wie nur möglich war: an einem Tag allein vom Nationalpark Tayrona per Anhalter knapp 3h mit nem Fischerboot zurück über andere einsame Strände, wo zwischendurch Schnorchelpause eingefügt wurde… Das war wirklich alles ein doller Zufall. So kam ich dann auf etwas unkonventionellerem Wege ins Fischerdorf Taganga, Abendessen und Zimmer bereits klar gemacht, aber ich entschloss mich dann doch kurzerhand wg Verkehrsstreik auf den Berg zu laufen und von dort doch wieder in die Stadt nach Santa Marta zu fahren, wo ein Freund mich empfing. Taganga

— Uuuund Action! —
An diesem Abend bekam ich dann auch die Nachricht „Morgen 6Uhr am Strandhotel eintreffen, man fährt uns erneut in den Nationalpark Tayrona, gratis Verpflegung am weissen Naturschutzgebietsstrand Bahía Concha.“ Was dort machen!? Statist spielen in einer Soap-Opera. Die Schauspieler sind ja in LA immer die Megastars, verdienen super gut. So, und unter 100 Statisten, Riesenlatinahintern, Silikonbrüsten und Arnold Schwarzenegger- Latinos wurde ich dann auch gleich in die erste Szene eingepflanzt. Gringo-Bonus sozusagen. Sollte mit „meiner Frau“ einen „Taucheranzug kaufen“. Der Tag sonst wurde eigentlich dann von am Strand rumliegen und sonnen, mit Baden und vor allem Schnorcheln verbracht, das alles auch noch bezahlt und Eintritt in den Nationalpark haben wir natürlich auch keinen gezahlt. Geschweige denn den Transport, der anders wohl ziemlich umständlich und langwierig ist. Well… Aber nun kommts: Das bescheuertste was ich in Soaps kenne, sind ja diese Verschmitzt-Blicke am Ende der Szenen wo ich mich immer so fremdschämen muss. Beim Dreh aber gehen diese 2 Sekunden ungefär 20 Sekunden lang. Nur die besten „Hämisch-Grinsen-Blicke“ werden dann auch später tatsächlich verwendet. Ich musste mich also eine gefühlte Ewigkeit fremdschämen. Das andere Lächerliche ist, wenn irgendwo im Film Party ist und die Leute im Hintergrund ja ohne Musik tanzen müssen und nüchtern die super Stimmung miemen müssen. So. Und da wir am Strand waren und gerade die „Jetski Weltmeisterschaften“ waren, gabs auch, hoho wie international, eine dolle Yacht im Hintergrund. So. Und von hundert Statisten sollen 6 auf die Yacht um mit Bikinimädels auf Deck zu tanzen. So. Und nun wird ratet-mal-wer mit 4 Mädels auf die Yacht geschickt. Mann mann mann. Ich bins ja gewohnt ohne Rhythmus zu tanzen, aber auch noch ohne Musik, das ist ganz ganz bitter. Ich also „Jungs bitte oberkörperfrei“ gezwungen mit vier Bikinis auf der Yacht rumzuflirten und meine nicht vorhandenen Muskeln spielen zu lassen, während um uns die Jetskis den „Worldcup“ austrugen. Hehe, der eine wollte extracool und damit extranah am Boot vorbeifahren. Leider driftet man auf Wasser eben anders als auf Land. Und somit hat er einen der drei Aussenboarder gerammt und ist in hohem Bogen ins wasser katapultiert worden. Motor futsch, Yacht wackelt, Conny lacht. Da musste ich die gute Laune wenigstens nicht mehr stellen… Abends um 5 ging dann also ein harter Drehtag zu Ende und es ging zurück nach Ciénaga, wo ich bei Yuris Mom vor dem Bett auf Handtüchern pennte, während die beiden Mädels im Bett lagen. Also alles in allem ein ganz harter Ausflug, die Reise in und an der Karibik.

— Was sonst noch geschah —
In den Bergen waren wir auch, Minca bei Santa Marta besucht, glasklares Wasser und dementsprechend eiskalt, Wasserfälle und Natur bestaunt. Ihr müsst wissen, dass die Sierra de Santa Marta eines der höchsten Küstengebirge weltweit ist, wirklich hammer vom Strand aus die nahen Berge zu sehen. Ausserdem habe ich Geckos gefangen, knallblaue Vögel gesehen, war einsam und alleine am Strand joggen, bin auf nen Kugelfisch draufgetreten und habs überlebt, bin dann weils ja nicht weh genug tat noch barfuss in einen Kaktus reingetreten, war auf einem Promnight Abschlussball von Andrés. Und dank selbstkochen gabs auch nicht mehr die Menge Fleisch für ein ausgewachsenes Mammut (ein Fleischfressermammut versteht sich) sondern nur Banane, Yuca, Reis und Fisch. Besser. Dort geht man übrigens für 50g Butter in den einen Laden, für einen 500ml Milch in den nächsten und für einen 250ml Beutel Wasser in den dritten Laden. Da sagt der Igel dem Fuchs noch gute Nacht… und man fährt mit Fahrradtaxis. Und jeder im Dorf kennt dich… Noch ein Zoo: als ich im Wohnzimmer sass von Yuraimas Mom, blieb eine Horde Schuljungs gut 5min am Gartenzaun hängen, um den Gringo zu bestaunen… Mann hab ich mich bescheuert gefühlt. Wiederum wurde Yuri an der anderen Ecke von Kids gefragt, erkannt und nach Autogrammen gebeten. Also mittlerweile kennt sie die kolumbianische Jugend wohl ganz gut… Fand ich immer wieder amüsant mit solch einem B-Promi

  04_kugelfisch.jpg ciclotaxi Fischmarkt Ciénaga Abendessen in Taganga promnight Geckos 1 Wasserfälle

— Safety first —
Ich darf mittlerweile stolz weil heile verkünden, alles gut überstanden zu haben und die 26h von Bogotá bis Ffm dank gigantischer Anschlussflüge hinter mich bringen können, mich in Karlsruhe peu à peu einzuleben und in einer Woche geht das Studium wieder los. Man hört immer wieder Geschichten bzgl. der Sicherheit, in Kolumbien wird eben toll Propaganda gemacht. In Brasilien würde ich dagegen wohl weniger einen Fuss auf die Strasse setzen aber die Welt denkt ja nur an Samba und Zuckerrohr wenn sie an Brasilien denkt.  Philipp wird aus Südafrika auch das ein oder andere weniger angenehme Anekdötelchen erzählen können und die Chinesen sind solch tolle Kontrolleure, dass auf einen Blog wie diesen nicht einmal mehr Zugriff ist. Da wird also alles Schlechte und die Wurzel des Übels, so z.B. Meinungsfreiheit, gleich im Keim erstickt. Also sehe ich in Kolumbien auch keine grössere Gefahr als woanders, wenn man sich etwas clever verhält. Man muss eben wissen, dass für manche Menschen einfach nicht viel auf dem Spiel steht. Die haben nichts zu verlieren. Wortwörtlich. So wurde auch der angesprochene Fuchs und Hase in Ciénaga erschreckt, als gerade um die Ecke zu unserem Haus ein junger Mann 6 Schüsse ins Gesicht bekam, während z.B. Jorge und Yuri gerade um die Ecke nachmittags ein Bier tranken. Hm… aber der ist auch mit einer verheirateten Frau ausgegangen, da wird wohl was durchgesickert sein. Wer jedoch spanisch schon kann, dem empfehle ich dieses Land als Reiseziel, weil einfach wahnsinnig viel zu sehen ist, und 1% der Bevölkerung nicht die Gastfreundschaft und Lebensfreude der restlichen 99% zerschlagen können. Aber darüber berichten die Medien natürlich nicht so gerne. Das erschreckt nämlich weder Fuchs noch Hase. 

— All hale Colombia —
So, dann mal schauen. Wir hatten bislang gegrüsst aus dem Land der Todes- und Unheilsbringer-Früchte, der hundertundein Prozent Luftfeuchtigkeit, der weltgrössten Hagelkörner und Parasitenpopulationen, dem Land der reissenden Flüsse, der danach eisigen Füsse, der entgleissenden Flüsse(!), der reisenden Schamanen und reizenden Damen, der bestenbilligsten Fruchtbecher der Welt, dem Land der abertausend Hagelkörner, der männlichsten Hähne der Welt, dem Land der tausend schrägen Töne, warmen Weihnachten, aus Panamá als Land der viel zu vielen Wolkenkratzern, aus dem Amazonas in Peru/Brasilien/Kolumbien als Land der 30 Mückenstiche (pro Knöchel), dem Land der Bananengerichte, Gaukler und Gauner… und zum Abschluss aus dem Land mit den meisten Vogelarten weltweit. 
avena
 


Euer Cornelius





Moment, eines noch…

4 02 2008
18

—AGB—

Ich bin nun 5 Monate hier, hin und weg von diesem und jenem, befinde mich bis Freitag 8. Feb in der Kammer und am 29.Februar bin ich dann wieder in Deutschland. Und zwischendrin, wie könnte es auch anders sein, wird wohl noch in die Llanos, das Andenhinterland/Flachland besucht, bevor es dann ab 13. bis 26. an die Karibik geht.

www.maloka.org

Sonntag vor einer Woche gings in ein Abenteuer- Wissenschaftsmuseum (-> www.maloka.org), war lustig. Ich habe Stromschläge bekommen, es gab nen Faraday-Käfig zum ausprobieren, ich sass auf einem elektrischen Stuhl und fand heraus, dass ich satte 3,40m hoch springe. Auf dem Mond. Da hole ich mir dann die guten Früchte, die keinen Fuchsbandwurm haben. Yeah! Danach gings in ein 180-Grad Koppel 3D-Kino, von dem man echt meinte, man wäre IM Film und bei den Fahrten hat man sich wie in ner Achterbahn gefühlt, vom Bauchziehen bis zur Übelkeit war alles dabei. Insgesamt war sowieso fast alles dort zum schlecht oder schwindelig werden.

—Haus/ WG/ Auszug—

Nachdem zweimal (wo wirs gesehen haben) bei uns eingebrochen wurde, beängstigenderweise auch als wir anwesend waren, wurden die Schlösser nochmal ausgetauscht. Echt ein mulmigeres Gefühl, denn jemand hatte die Hausschlüssel und konnte ein- und ausgehen wie es ihm lieb war. Hat dennoch nix mitnehmen können. War eben ein waschechter Volldepp! Nun versuchen wir gerade noch sämtliche Einrichtung loszuwerden, meine Gitarre wird verkauft, die Waschmaschine muss jemandem angedreht werden, Rechnungen bezahlt, englischer Anzugsstoff verkauft, Wohnungen für die letzten Tage gesucht und die Angelegenheiten in der Auslandshandelskammer ordentlich über die Bühne gebracht werden und und und. Die letzten Tage könnten also etwas chaotisch werden, der Haushalt löst sich schon jetzt auf und Hannes fuhr auch am Donnerstag bereits an die Karibikküste. Dorthin ziehts mich dann auch noch für die letzten Tage. Und da sich alles so langsam auflöst, haben Hannsch und Cono (ich) beschlossen spontanst an einem mir-nix-dir-nix Mittwoch doch noch eine Abschiedsfeier zu machen. Dat war lustig, kamen doch durchaus noch Leute (der Rest war eben bereits alles zum Carnaval nach Baranquilla/ Karibik gefahren). Nett zu sehen, dass trotz Arbeit die ganze Sache saftig lang bis dengel dengel 3Uhr ging. Um 5:11Uhr bin ich aber nochmals aufgestanden und hab gefragt, ob die „Übrigbleibsel“ mal bitte die Musik leiser drehen könnten… Diese Costeños… Nix zu schaffen. Tssss. Hier die Compilation einiger Pics.

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—1. Feb- Wochenende—

Wat noch? Nebst Spocht und viel Sonne war am vergangenen WE traditionelles auf dem Programm gestanden: wie es ein colombiano macht – um 5uhr wurde das erste Bier in der Tienda aufgemacht, dann kamen noch Alejandro und seine Homeboys dazu und der oberwitzige Nachrichtensprecher Fernando Calderon- eine Ikone hier! Als ich mal im Kanal war um TV live zu erleben, weil mich Yuri einlud, hab ich ihn kennengelernt. Rundlich, altes verunzeltes Gesicht, eher schwarzer Helm statt schwarze Haare, Anzug und Krawatte, das Hemd hing aus der Hose bis zu den Knien. „Señor, entschuldigen Sie bitte, aber ihr Hemd hängt heraus… Räusper räusper“ – „Das gehört so, die Kamera nimmt nur bis zur Brust auf, das mache ich seit Jahren so und ist Teil meines Erfolges!“ Herrlich, der Typ! Nach der Tienda gings noch in ein Gratistheater, wo ich leider kaum ne Pointe verstanden habe, viel zu viel Mundart. Besser wars am Sonntag, da gabs nach dem Flohmarkt in Usaquén, wo ich anfangs gewohnt hatte, über ne Stunde lang Geschichtenerzähler im Park, da hab ich so gut wie alles kapiert, war wirklich lustig. Die stellen sich vor ne Treppe und du siehst gut fünfzig, hundert Jugendliche drum rum, die gespannt jedes Wort anhören! Die Typen sind richtig gut. War auch ein Mexikaner dabei, was mich natürlich gefreut hat. Im Mittelpunkt stand ich auch, weil meine reizende Begleitung Yuraima einfach nicht den Mund halten konnte und immer dazwischenplapperte… „Halt sie gut fest!“, lautete der Rat an mich. Sehr sympathisch, die Kleine! Erinnert mich an mich selbst. Ach so, zum Mittagessen gab es Patacón: nen rieeeesigen Fladen Banane mit Hühnchen, Béchamel Sauce, Champiñons und Chicharrón (den gebratenen Schweineschwarten) belegt… hmmm… Bananenpizza quasi.

Beste Grüsse aus dem Land der Bananengerichte, Gaukler und Gauner…

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Cono





Amazonas – andere Welt

22 01 2008

Ein Traum wurde wahr, dank an alle Sponsoren und jeglichen Support, dass ich diese spektakulärste für mich Lieblingsreise machen durfte. Schon kurze Zeit nach meiner 16-tägigen Panamáreise zurück im Büro für läppische drei Tage (da wächst mir ja gerade mal ein Bart), gings mit dem Flieger und Raphael- el Profe und seinem Freund Christian in den Amazonasregenwald- da regnets halt. Doll. Wundervoll schon der Anflug, so weit das Auge reicht Regenwald, der 1/3 Kolumbiens bedeckt, was immer noch grösser ist als West- UND Ostdeuschtland zusammen. Sind ja nun wieder vereinigt, kann ich oft fachmännisch erzählen. Manchmal muss ich auch die freundlich gemeinten „Viva Panamá, viva Alemania, viva Hitler“- Freudenegsänge zurückweisen, aber Gastfreundschaft geht eben über vieles und das hat ja nun eigentlich auch nix mehr mit dem schönen Grünen von oben zu tun. Generell muss ich aber gerade mal doch einen Speer biegen und eine Lanze brechen für Klumbumbien: ein hochkulturelles, geographisch einzigartiges Land mit auch wirtschaftlich enormem Potential, das zu Unrechtestens einen miesen Ruf hat wegen den Problemen, die hier noch vorherrschen, die nicht alle hausgemacht sind – will sagen: Kokainkonsumländer aus Europa und USA sollten erst recht die Klappe halten, denn ohne Nachfrage gäbe es kein Angebot! Und dass die Kirche die Sklavenhaltung von Indianern in der Kolonisationszeit verwaltete und die USA die verschiedenen terroristischen Gruppen mit Waffen beliefert um den Narcotrafico (Kokainhandel) zu bekämpfen, sind alles Aspekte die man auch mal kritischer beäugen darf. Aber die Kirche hat wohl keinen schlechten Ruf, wohl noch immer zu viel Macht und Prunk dahinter… Da fällt der Apfel nicht weit vom Stamm und so (sagt man) wird die FARC inoffiziell von der Uribe- Regierung benutzt um die unangenehmeren Arbeiten angenehmer zu erledigen, was er mit dem Militär nicht machen könnte. Die FARC kann man auch nur vom Militär unterscheiden durch die Kolumbienarmbinde. Und noch durch die Entführungen, durchaus ein weiterer Unterschied der beiden. Auf der anderen Seite, welch Zufall, hat sich der allseits beliebte Sr. Chavez aus Venezuela „diplomatisch“ eingesetzt und mit der Guerilla verhandelt, um zwei entführte Kolumbianer zu befreien. Links und Links versteht sich eben. Spassig war dann auch die TV- Propaganda, in der die Befreiten Sr. Hugo Chavez (Erzfeind Kolumbiens) noch im Rettungshubschrauber in den Himmel lobten und man die venezuelanische Suffleur-Stimme noch immer deutlich im Hintergrund hören konnte. Alle Kolumbianer haben sich dann umso mehr über Chavez aufgeregt. Und so schleimt der eine und so schmiert der andere und so entführen die Dritten. So, prima abgeschweift! Dolle Wurst, aber die war reif wie eine matschige Papaya und musste mal raus.

 

Karte


7 Tage Amazonas: Kurzfassung: Kolumbien – Brasilien – Peru – Brasilien – Kolumbien und Punkt. Directors Cut: ins billigste Loch in Leticia, Kolumbien eingecheckt, Kakerlaken gratis, mit dem Mototaxi zum Abendessen nach Brasilien (Sicherheit geht vor, also wurde der Helm von Hand festgehalten, da er sonst vom Fahrtwind runtergeblasen worden wäre), am nächsten Morgen für 3 Tage in die (so weit man eben kommt in 6 Stunden) Tiefen des peruanischen Amazonasdschungels eingetaucht. Kleine Gruppe, wir drei und 2 Spanierinnen. Plus Ticuna Indianer, plus Peruaner der eine fremde Sprache zu sprechen scheinte plus nem Typen der von nix ne Ahnung hatte, aber dafür immer herrlich gelacht hat – el pansón Edison. Die Hinfahrt über den Seitenarm vom Rio Yavarí war natürlich schon das eigentliche Spektakel so wie der Weg nunmal das Ziel ist. Man sieht wirklich Affen in den Bäumen, Schmetterlinge, Vögel, Adler, Papageie, ein Faultier, Libellen und unidentifizierte Flugobjekte, die so dick sind, dass sie dir vor lauter Manövrierunfähigkeit ne Beule an die Stirn knallen in ihrem Sturzflug. Und sowieso jede Menge Stechdingsbumsinsekten. Die stechen durch den Schuh. In meinen Augen ja ein klarer Regelverstoss. Aber scheint die weniger zu jucken, mich dafür umso mehr. Was machen? Haltung annehmen, sich zuschnüren, Helm auf gegen Sturzbomberkäfer, die Empanadas rausschwitzen und die noch freiliegenden Fingernägel und Augenwimpern mit viel Mosquito-Repelente aufweichen!

Wie erkennt man einen Ausländer im Amazonas? Er trägt Gummistiefel auf dem Boot und läuft Barfuss an Land herum, um in 5min die Stiche der letzten 6h nachzuholen. Wie erkennt man den Kenner: er will nicht ertrinken wg den unter-wasser-nicht-ausziehbaren(!) Stiefeln und wird an Land lieber von Schlangen in den Gummistiefel gebissen statt in den Knöchel. Woran erkennt man den Indio: er hat keine Stiefel, fällt auch nicht von Bord obwohl er immer auf der vordersten Spitze rumturnt, die Mücken werden von ihm gestochen und für jegliche Bisse findet er eh sofort die giftige Gegengift-Giftpflanze, die eigentlich irgendwie alle gleich aussehen. Vom Boot gefallen ist dann aber zwei Nächte zuvor tatsächlich der Schwager des Indios der Reserva Zacambú in Peru, der uns die Hängematte bei sich hat aufspannen lassen um uns über die Mythen und Gefahren im Dschungel zu erzählen (mehr als spannend!). Der besagte 35-jährige Mann war betrunken nachts beim fischen oder Cayman-jagen ins Wasser gefallen (mit Stiefeln, da hast du den Salat!!!) und bei der Strömung und nachts und denen Peque-Peques (kleine Schwankboote) und den Tieren… Da gibt es nicht so viel Überlebenswarscheinlichkeit aber hundert Möglichkeiten in die nächste körperlose Dimension überzugehen. So wird es dort übrigens gesehen, man kann auch zeitweise zurückkehren und in andere Körper oder Tiere schlüpfen. Das haben sie uns aber nun nicht erzählt, wie man das schafft. Arrghh. Delfine gesehen, geangelt, gefischgegessen, Fariña-Produktion (ein hartes Pulver aus Yuca) gesehen, nachts Caymane gejagt, Piranhas waren überall und dennoch konnte man sich baden, durch den Dschungel sind wir gewandert (beim Zuckerrohr essen), eine andere abgelegene Gemeinschaft besucht, Fussball mit echten Indio-Mädels gespielt, Tiere Tiere Tiere, gaaanz wunderschön. Die geilsten Bewohner von allen, mal abgesehen vom Wassertiger, den noch so gut wie niemand gesehen hat der es überlebt hätte, sind die wunderbaren Kapuzineräffchen. Sowas hat mich auch schon in Panamá gebissen (Bild berichtete). Die liefen frei rum, ziehen die eine Katze am Schwanz, beissen dem Hund ins Bein, stecken dir den Finger ins Ohr und tapsen in dein Wasserglas, rennen das Huhn übern Haufen weil sie wissen, dass sie stärker sind und halten die andre Katze fest um sie von hinten zu rammeln, bevor sie die Wasserleitung vom Tank auf dem Dach kappen und im Baum verschwinden. Kurzum, ein erfülltes Leben, das sich nur um Schabernack dreht – in meinem nächsten Leben will ich ein Mico sein, nicht zuletzt weil es eine echt heisse Mietze war… Und ansonsten bleibt mir nur noch das Fazit: manche Flecken auf der Erde sollten einfach vom Menschen oder von der modernen Welt unberührt und unbeobachtet bleiben.

In diesem Sinne, beste Grüsse aus dem Land der 30 Mückenstiche (pro Knöchel)

 

Euer Cornelius Cornelius





Ach wie schön ist Panamá…

2 01 2008

Fangen wir mal hinten, also von Sylvester an und rollen so das Feld auf…

Ich wohne ja bei Eloy’s Familie und fühle mich pudelwohl mit den ganzen Tanten und Cousins und und und. Ins Neujahr gefeiert wurde in einem gigantischen Hotelkomplex mit Pool, free drinks, mega Buffet wobei ich tapfer versuchte zumindest alles mal anzutesten. Was schwierig war, blieb mein Hunger doch eher auf Spanferkel, Tiramisu, Riesengarnelen, zig Käsesorten und Sushi konzentriert. Es ist aber warscheinlich immer noch leichter zu sagen, was es NICHT gab- Maultaschen zum Beispiel fielen mir da ein. Well, Eloy und ich sind dann gegen 3 in Club, Juan, seinen spendabelsten Bruder und Co treffen, wo wir dann nach dem Zahlen einer Flasche Rum direkt wieder rausrannten „Hey, da gibts nen Club, der ist heute besser hat man mir gerade gesagt…“ und dann haben wir eben umsonst bezahlt, bestellt und doch nix getrunken. Der Alemansito jedoch, streng schwäbisch erzogen, würgt sich zumindest noch ein paar Rum- Shots rein, bezahlt ist schliesslich bezahlt. Um 4uhr dann der zweite Versuch – neuer Club, neue Chance. Nach komischem Rumdelegieren und Abwarten wurde uns dann nicht der VIP sondern der Ober-VIP Bereich gedeckt, oben auf dem Podest, wo der DJ seine Teller schrubbte… Das war soooo VIP, dass keiner hoch kommen durfte, nur die Mädels mit kurzen Röcken, aber wiederum ihre Kumpels und alle Jungs haben unten bleiben müssen. Aha… Wichtig ist hier, müsst ihr wissen, dass man einen Tisch hat und da eine Flasche drauf steht, sonst kommt man für Mädels nicht in Frage. Ich hab dann eine mal angequatscht was das ganze hier soll, dann hat sich erstmal die andere Zicke eingemischt und gemeint ich solle erstmal nen Champagner spendieren. Aha. Klaro… Hat der Cornelius dann auch faaast gemacht. Begleitet mit den Worten „Hast du noch alle Tassen im Schrank, wieso sollte ich dir was spendieren, du Eimer“. So kam dann auch eher weniger das erhoffte tiefgründige Gespräch auf. Der DJ hat sich zu mir rumgedreht und gefragt, ob ich bisschen auflegen will!!! Das ist so, als ob Malcom Young von AC/DC dir seine Gitarre gibt und sagt „Spiel bei Hells Bells bitte mal die Rhytmusgitarre! Ich geh eine rauchen“ – buuuurner. Hab natürlich glatt NICHT angenommen, da der Laden sonst schneller leer gewesen wäre, als man billige Tequila Shots unten hat. Und so gings dann noch ‘utz utz dängel dängel’ weiter bis morgens um 9uhr. Endlich mal Elektromugge am Start since a loooong time. War eine lange und richtig geile Nacht und eine riesen Party an verschiedenen Plätzen unterschiedlicher Grösse, perfekter Start ins 2008. Dafür musste der 1.Januar aber fast gänzlich dran glauben um den Schlaf aufzuholen…

Wat jibt et sonst noch? Morgen wird nach Isla Grande Fahrt aufgenommen, dort ein paar Tage an der Karibik verbracht, Panama Stadt liegt ja am Pazifik. Die beiden Ozeane sind aber nur einen Katzensprung von einander enfernt. Eine Stunde vom Pazifik bis zur Karibik – ich brauche alleine 1h um in Bogotá vom Südende der Stadt bis zur Mitte ins Busterminal zu fahren! Das sind andere Dimensionen… Sowieso ist vieles anders in Kolumbien und Panamá. In Panamá leben die meisten echt gut, die Stadt wächst wie wohl keine zweite, es sind gigantische Wolkenkratzer überall am in die Höhe schiessen und die Skyline ist die Schönste die ich je gesehen habe. Gestern waren wir auf der Avenida Central, endlich wieder Wurstgeruch im Hemd von den Strassengrills, mhh… Ich liebe diese chaotischen Märkte wo dir einer mit seinem Bass das Gehör versucht rauszuboosten, damit du seine gebrannten CDs kaufst, auf deren Covers sich Bikini-Girls räkeln, während dir der Typ dir auf Kauderwälsch Englisch von seinem Bruder erzählt und alles good price und whatever du verstehst eh gar nix. Manchmal sprech ich besser spanisch als der ein oder andre Einheimische hier. An der Karibik ist es eh noch unverständlicher, ausserdem schwärzer, da sieht man keinen Weissen mehr ausser mir und dem anderen Gringo, der mich zum Café einlud. So bin ich dann auch an die andere Hafenstadt gefahren- Colon. Da gibt es eine Free Zone, null Steuern und eigentlich müsste dort ein zweites Panama City stehen, mit dem grössten Hafen ganz Lateinamerikas. Eigentlich. Stattdessen darfst du aber keine drei Blocks zu Fuss gehen, weil und da bin ich ganz realistisch und hörig die Gegend überhaupt keine Feine ist. Southafrica lässt wohl grüssen, Flippi. Nach Colon bin ich mit dem Zug, der über den viertgrössten künstlichen See führt, der den eigentlichen Kanal ausmacht. Der Kanal wurde von Franzosen angefangen und versucht komplett auszugraben. Da aber der Projektstatusindex bald negativ wurde, so niedrig war er, und die Kosten wohl zusammen mit den Zahlen der Toten durch Tropenkrankheiten sprunghaft anstiegen, wurde das Projekt an die Amis verkauft, welche dann einfach Wasser gestaut haben um dann mit Schleusen die Schiffe auf den höhergelegenen See zu bringen. Das ist der Panamakanal. Wunderschön, das Wasser oft spiegelglatt. Von Colon aus bin ich „direkt – ne halbe Stunde“ wie mir gesagt wurde nach Portobello, einer Hafenstadt im Miniformat mit Ruinen von Festungen gegen die Piraten von damals. Die Piraten von heute haben mich dann aber für 43km statt ner halben glatt anderthalb Stunden Gassi gefahren. Was solls, hätte eh geregnet und so hab ich eben Afrika Live erlebt. Als long Version.

Was bisher geschah: Pazifik, Strand, Kunstrasenfussball, Herr Hernandez ist ein exzellenter Stadtguide, Frau Hernandez nimmt sich der Handwerkskunst an, ein Raspado an der Strasse versetzt meinen Darm für 7 Tage in Ausnahmezustand, Indigenas haben die coolsten Kleider, bei Tempo hundert hinten auf der LkW Ladefläche mag zwar der Kopf ein wenig wackeln aber das Bier wird eisern festgehalten (el cholo) und Panamás Reichtum bzw. reiche Garde wächst gerade erst heran – die Jungs haben meist dickere Oberärme als ich Schenkel und die Mädels Brüste grösser als mein Kopf; „In Panamá mag man das übertriebene.“ Selbst die Schaufensterpuppen sehen so aus, wundervoll! Dann hat mich ein hinterlistiger Mono gebissen, im Garten zwitschert auch mal ein grüner Papagei (hier ein perrico im Haustierformat) im Baum und wir haben erfolgreich das Hundehaus von Sasha, der Hündin fertiggebaut, mit Fliesen und allem drum und dran.

Viele Grüsse aus dem Land der viel zu vielen Wolkenkratzern,
Cornelius und Eloy

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Feliz Navidad (inkl. Diashow)

18 12 2007

Das vorletzte Wochenende wird mit dem vergangenen Wochenende zusammengefasst, welches auch mein letzes in Bogotá ist bevor ich am Samstag nach Panamá fliege um dort Weihnachten und Neujahr mit und bei Eloy und den restlichen Hernandez’ zu verbringen… Hier der Bericht, die Diashow wird auf Anfrage als zip-Datei versandt:

—Bromelias y Orquídeas—
Verg. So war ich in kurz Fusa und lang Fusagásuga, dat war dolle! Orchideenzucht anschauen, welche so nur in der Ostkordillere der Anden wachsen. Es hat sich definitiv gelohnt. Sehr viele Farben, Formen und alles erinnerte oft mehr an Insekten als an Pflanzen. Lustig war auch die Hinfahrt, wo wir vor einer Brücke aussteigen durften, denn Sicherheit geht schliesslich vor! Im Dorf wurde ich natürlich herzlich aufgenommen als Gringo, immer wieder ein Placer. Little Compilation ist wie gesagt als Diashow erhältlich.

—Trabajo—
Donnerstag war ich auf einer Messe „Junge Unternehmer“, die zum ersten Mal ausgeführt wurde. Einstieg mit einer rührenden Rede, kitschigen Einsteinmaskottchen und dem kleinen Schönheitsfehler, dass vergessen wurde, dass selbst bei nur drei, vierhundert Leuten evt. jemand im Laufe des Tages Hunger geschweigedenn Durst bekommen könnte. Unser Tag fing dort kurz nach 8:30 an, obwohl die Messe um 10 losging – „Die erwarten das von uns Deutschen“, na super. Dass es auch anders ging, zeigten die Kolumbianer von Parquesoft, die um 12:45 stolz ihre Werbebanner mit Thesafilm an den Stand klebten. Das besagte Essensproblem wurde dann aber über einen Lieferservice von panierten Grillhähnchen auf private Kosten geklärt und Saft gabs von einem Stand, der Saft als Messeprodukt ausstellte. Improvisiert eben. Und was haben wir dort gemacht? DEinternational bzw. die Kammer repräsentiert und deren Dienstleistungen angepriesen sowie die Messen in Bogotá Ambientec 2008 (Umweltmesse, für deren Promotion ich u.a. zuständig bin) und EXPO Alemania 2008 promotet.

—Navidad y Ciclovia—
Weihnachten ist hier sehr kitschig, mit einer 1:2 Nachbildung von ganz Betlehem im Parque de la 93 bei uns Nähe Büro. Letzten Freitag gabs auch Geschenke, haben bei Li eine Weihnachtsfeier gemacht. Angie und Rapha haben zusammengelegt und mir die coolste Uhr der Welt geschenkt. Ich bin unendlich glücklich damit! YEAH! Gestern Abend fiel mir dann auf, dass die Ciclovia nocturna stattfindet, und zwar eben heute Do statt am bereits voll verplanten Freitag (wegen Weihnachtsfeier vom Büro aus). Ciclovia nocturna also: die perfekte Lösung um doch noch Spocht zu treiben. Zumal mal abends, das ist Ausnahmezustand!!! Obwohl ich mich morgens bereits vor der Arbeit gequält habe, meinen eigenen Schweinehund Gassi zu führen. Abends dann trotzdem nochmal die Latschen geschnürt und ich sollte es nicht bereuen. Mit dem TransMilenio bis zur Calle 116 mit Autopista, diese bis zur Carrera 15 hoch gegen Oriente quasi, die 15te entlang bis parque de la 93, Grippe angeschaut, unfreiwillig an nachgezählten 1000 viel zu weit herausstehenden Latinahintern und Latinoranzen hängengeblieben, hoch bis zur Séptima, dort bis zur Calle 90 und und und… Koordinaten eben, einfach einfach. Es waren abartig viele Menschen auf der Strasse, superviel tráfico (in kol = trancón), und mit 200, 300 Menschen an ner Ampel wartend bis du wieder weiterkannst. Stau mit Fahrrädern. Wie an Carnaval (welchen ich aber noch im Februar besuchen werde, BARANQUILLA – der 2.beste in Lateinamerika nach Rio de Janeiro!) ist die Strasse gedrückt voll von Ameisen, soweit das Auge reicht. Oder faaast so wie das Hambrücker Strassenfest am Sa, nur mit doppelt so breiten Strassen und das nicht einen Block sondern ganz Hambrücken durchweg! Und vielliecht noch der einen oder anderen Person mehr… War unglaublich, unbeschreiblich. Obwohl die Damen und Herren eher spazieren gegangen sind, den Hund oder die Gattin Gassi geführt haben, mit Kind und Kegel im Gehtempo Rad fuhren, Skateboards, Rollerskates, BMX und sogar 3 Jogger wurden gesichtet. Aber eben alles im Schneckentempo.

Weihnachtsfeier der Kammer—
Es gab Krabbelsack, viel Sabbelkack und Eierkraulen auf Pferderücken mit Aguardiente und Cowboyhut – das war unser Weihnachtsausflug; ein Pferdeausritt den wir natürlich nur mit Schnapps durchhalten konnten. Tja, das hat man davon, wenn man in einem Frauen-dominierten Büro arbeitet; mehr DAZU auch in der Diashow…

—Weihnachtsgeschenk—
Wers nun nicht mehr aushält: Für die Diashow müsst ihr mich anschreiben, dass ich sie Euch persönlich per mail sende (wg der Sounddatei), falls ihr sie nicht bereits bekommen habt. Keine wilden Klicks während der Präsentation, sie läuft automatisch und freiwillig durch, wenn ihr die ZIP-Datei einmal runtergeladen und gespeichert habt.

Viele Grüsse aus dem Land der warmen Weihnachten,
Cornelius

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… música …

3 12 2007

…um hier mal ein wenig Kultur einzubringen, werde ich Euch versuchen den wichtigsten Part beizubringen – die Musik. Da hier nämlich auch unbetrunken (JA, sowas gibts) und zu jeder Tages- und Nachtzeit getanzt wird, man in unserem Haus auch mal vorm, während und nach dem Abendessen seine Zuckungen zum Besten gibt und auch dass schon das eine oder andere Konzert in der Küche war, obwohl man ja schlafen wollte, lässt also ob der immensen Importanz des Abspackens zu mehr oder minder melodischen Klängen erahnen.

Sind wir also bei Guten und Weniger guten Klängen: Als Ersteres wäre mein Lieblingssalsa zu nennen – Mr Trumpet Man. Auch wenn die Letargie des Sängers eher einer Beerdigung huldigt als einem hot hot hotten Salsarhytmus.

Weniger gut wäre zum Beispiel Vallenato in unserer Küche/Esszimmer… Wobei ich schlichtweg überzeugt bin, dass das Akkordeon a) klar als Weapon of Mass Destruction durchgeht und b) für einen Grossteil an Unheil in der Welt verantwortlich sein dürfte… Ohne dieses (Folter-) Instrument würden sich die Leute nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen, bekriegen und beklauen…

Und zuletzt noch eine Chose die jenseits von Gut und Böse ist: im Centro gefunden – Manni Um Die Ecke mitCuando salí de Cuba… Aber ich tendiere ja schon eher zu PURE ROMANTIK, wenn ich mich zu einer Kritik hinreissen lassen sollte.

Die allerbesten Grüsse aus dem Land der tausend schrägen Töne sendet
Conny





Halbes Dutzend verdutzt voll– Pelea De Gallos

3 12 2007

— Generelle Info —
Guten Morgen Freunde der von mir aus gesehen aufgehenden Sonne 6 h vor uns. In genau 3 Monaten heisst es für mich dann auch ‚Zurück in die Zukunft’, hole meine 6h auf und damit will ich schlichtweg auf eine höchst unverständliche Weise ausdrücken, dass ich meinen Peakday soeben hinter mir lies, Halbzeit. Mahlzeit. 3 Monate Kolumbien. Bleiben 3 weitere und am 29.Februar pünktlich zum Schalttag betrete ich wieder deutschen Boden. Ich habe Kolumbien längst ins Herz geschlossen und mache mir natürlich so meine Gedanken über meine berufliche Zukunft und deren Standorte. Wohl präsent im hinteren linken Gehirnlappen gleich neben dem Zentrum für ‚Deutschland als meine Heimat – Fragezeichen’ lauernd dass ich noch eine Diplomarbeit schreiben darf.

— Pelea de Gallos —
Letzte Woche waren wir, muy machos, auf einem, uiuiui suuupermachos, Hahnenkampf/ pelea de gallos. Böses Blut, fliegende Fetzen, fetzende Federn, kratzende Krallen, schnappende Schnäbel und macho-Hähne die verwunderlicher Weise genau wussten was zu tun war – bei Anpfiff geht Rot volle Lotte auf Blau los, da bleibt kein Hühnerauge trocken. The Atmosphäre: In der Arena nur Männer, perdón, Machos natürlich, Bauern mit Sombreros war en vogue, Bier und Würfelspiele die Begleitung zu lautem Gegröle und Anfeuerungen an den jerweiligen Hahn. Es roch nach Blut und Schweiss, wenn man das überhaupt noch unterscheiden konnte… The Timetable: von 7Uhr bis 6Uhr am Morgen geht die Chose, da kann Don Juancamilo durchaus mal ein paar Runden wegknicken. Eine Runde dauert solange wie der Schwächere aushält. Die letzten Sekunden sind meist oskarreif: der Schwächling fällt auf den Rücken, der Pimp-Hahn springt drauf, scharrt mit den bearbeiteten Hufen und pickt in den Brustkorb und die Augen. Für die letzte Dramatik strampelt der Sterbende nochmal mit allen Gliedmassen, erhebt ein letztes Mal seinen blutigen Gänsehals und sackt dann zusammen. The Fazit: durchaus brutal. Aber Blut sieht man nur bei den weissen bzw dann roten Hähnen. The Wette: Man suche sich nen Campesino ringsum und macht aus, wieviel man setzt, komischerweise haben wir uns immer raussuchen dürfen/ können, auf welchen wir wetten und der andere war automatisch für den Komplementärhahn. The Witz: Denn egal wies ausging, wir wurden ja eh abgezockt. Einmal nen falschen 20.000COP -Schein (1 Mittagessen = 5.000COP) angedreht bekommen, das andre Mal ist der Eierdieb einfach abgehauen, als er merkte, dass unser Blauer gewinnt. Und spektakulärstens beim dritten Mal, als wir Geld setzten, gab es im Endspurt eine drastische nie-für-möglich-gehaltene Wende und der Unsere verlor plötzlich. Schieeeebung! Buhhh! Uns waren aber die Falschgeldscheine gerade aus, so dass wir ihm den Gewinn in Höhe von 4 Mittagessen tatsächlich zahlen mussten. The Alternative: Ich musste meine Kasse durch Würfelspiele aufbessern, was mir auch glückte… Soviel zum Pelea De Gallos. Aber insgesamt wurde auch hier mal wieder übel übertrieben mit ‚sehr gefährlich, böse Typen und Ausländer Danger und bla…’. Hatten uns die ganze Zeit dort prima gefühlt. Aber da wussten wir auch noch nicht, dass sie uns doch geschafft haben abzuzocken… Arrrr, das ist natürlich bitter! Aber wartet ab, das wird nicht mein letzter kläglicher Versuch eines Wette-ohne-jegliche-Einflussmöglichkeit-auf-Sieg- Spiels gewesen sein… Bilder gibts aus Sicherheitsgründen diesmal keine. Leider.

— News — News — News —
Ansonsten hab ich es geschafft, nach 2 Monaten durch eine grossartige Ingenieursleistung unsere Plastik-WaMa alias Verknotungsmaschine so zu installieren, dass das Dreckwasser tatsächlich abläuft und zwar ins Abflussrohr, nicht wie bislang in den Gang des 3.Stocks und ohne es mit dem Eimer abzuschöpfen. Problem: Der Niveauunterschied zw. WaMa und Abflussrohr musste ausgeglichen werden, weil das Dreckwasser aus der WaMa ohne jeglichen Druck abläuft (oder eben gerade nicht). Wie? Auf die Latinoart: Also eine Erhöhung in Form von Euro/Latinopaletten in den dafür zu schmalen Gang gelegt. Passt… Naja, passte fast. Und „passt fast“ ist hier nunmal „passt perfekt“ – allerdings wurde die Wand leicht mitgenommen ganz zu schweigen von der Palette selbst und der Tatsache dass es eine Verbindung wohl für die Ewigkeit sein wird, so fest steckt das. Es wurde nämlich nach dem Motto „Was nicht mit Gewalt geht, das geht eben mit mehr Gewalt“ ‘optimal’ angepasst. Wenn diese wackelige WaMa nun nicht zufällig umfällt beim Schleudergang (was sag ich da, es gibt nur ein Programm und das lautet „Ärmel und Hosenbeine irreversibel verbinden“), dann sind wir die glücklichsten WG-Bewohner.

Noch zwei Dinge ( a)Hilfestellungen und b) Tagesplanung) um ein bisschen Kolumbianisches zu beschreiben: Hier hilft dir jeder, auch wenn er es gar nicht kann. Lieber wird der falsche Weg genannt, als keine Antwort. Und als Europäer bist du natürlich eh der Hit, jeder interessiert sich für dich, will dort studieren (ungeachtet des Alters) und plötzlich wird aus der Joghurt-kaufen-an-der-Ecke- Aktion ein Rundlauf durch alle Geschäfte, weil du leichtsinnigerweise fragtest, wo man denn nen Gürtel reparieren kann. Wobei DIR dann noch deine Begleitung deine Schrauben und Muttern bezahlt. Tatsächlich waren wir dann überall, aber wirklich überall wo man KEINE Gürtel repariert, aber dafür noch auf 5 Bier und nen Aguardiente mit Javier in eine Bar – und welch Segen: da lief gerade der Triumph Bremens über Madrid (Anm. d. Red. für Mädchen: … im Fussball). Im Anschluss mit meiner trolligen Mitbewohnerin Angie zu nem Konzert und Julie treffen 10 Blocks nördlich, von dort dann später zu Alvarito in die andere Himmelsrichtung 50Blocks in Süden. Und wie ich am nächsten Morgen in der Arbeit auftauchte, naja, darauf verzichte ich hier mal im Detail. Jedenfalls war ich schon kurz nach dem Mittagessen wieder ansprechbar. Immerhin. Hier hat man ja eh keine Eile… Und so laufen die Geschichten nunmal in Kolumbien, deshalb ist es auch witzlos zu planen. Man weiss nie, was der Tag noch so bringt, man weiss nur, dass er auf keinen Fall so ausgeht, wie man das vorhatte. Und so werde ich auch weiterhin zu meinem perversen Schneiderlein zu den ausgemachten Terminen laufen und er wird mir weiterhin sagen „Wie geht’s? Setzen Sie sich, ruhen Sie sich ein wenig aus. Ich habe noch gar nicht angefangen mit Ihrem Anzug“, aber das Schwätzchen ist dir so sicher, wie die Offerte sich mit dem Mädchen zu paaren, dass dir gerade den Tee von ihrem Wägelchen verkauft.

In diesem Sinne die besten Grüsse aus dem Land der männlichsten Hähne der Welt,

Cornelius





Jahrhundertunwetter in Bildern…

20 11 2007

Ich muss leider/ zum Glück wiederholen, dass ich zufällig gar nicht mitbekam vom Unwetter in Bogotá am Wochenende vom 3. bis 5. November 2007. Ich ging Sa morgens früh weg (ca. 400km) und kam Montag Nachts heim und für mich war alles normal.

Hier gibt’s eine Powerpoint zum Thema und ein paar schöne Bilder… Ich wohne in „Chapinero“ :

Unwetter in Bogotá

Viele Grüsse aus dem Land der abertausend Hagelkörner





Agua de Dios – Kurausflug

19 11 2007

In Deutschland käme man wohl kaum auf die Idee in ein Popeldorf mit 1000 Einwohnern zu fahren um Bilder wie der letzte Japaner zu schiessen. Hier schon. Zumal ich ja bekanntermassen genug Trouble hatte und mich immernoch erholen sollte. Agua de Dios, 2 Stunden von Bogotá, 13.000Pesos (-> Währungsrechner hier) und eine verspätete Abfahrt auf die natürlich eine dickflüssige Verkehrsdurchquerung folgte (nein, ich spreche diesmal ausnahmsweise nicht von Fekalien – ein dickes ‘Entschuldigung’ an dieser Stelle vor allem an alle weiblichen Blogleser – nicht dass man denkt hier sei alles ‚scheisse’). Regel Nummer eins: Frag am Terminalschalter (Busbahnhofsticketverwaltungsservicepoint) nach dem Preis für Einheimische und bestehe darauf NICHT den Gringopreis zu bezahlen. Plötzlich ist eine Preisspanne wie zB von 46.000COP auf 25.000COP drin oder ein Snickers kostet statt 3.000COP nur noch 1.400COP und das „bestebilligste“ Bier wird von 2.500 auf läppische 1.200COP gedrückt… Jaja, der Gringo Conny… Das ist schon ein verdammter Fluch. Im Best Case werde ich ja nur mit einem fürterlichen Spanglisch gefoltert. Oh, da habe ich auch neues dazugelernt: ein „issä jo naa“ darf auch gut und gerne als ein „What is your name?“ akzeptiert werden… Aber mal ehrlich, das ist auch wirklich ein Satz, den man nur als Profi können kann. Das ist schon advanced spanglish.

Back to basic: Mit dem Bus also jen Süden gedonnert. Und mit donnern meine ich donnern. Und zwar bei den Schlaglöchern den Schädel an Dach und Scheibe donnern. Diese Art von donnern… Was absolut different ist zum „zügig durch den Verkehr donnern“, nicht verwechseln. Drei gute Stunden und Tausend Tode (auf dem Weg durch die Landschaft Schluchten passiert wie sie in ‚Herr der Ringe’ nicht tiefer sind) später angekommen, haut einem die Sonne mit dem Vorschlaghammer auf den Deckel. Gut, dass ich meinen Ranger-Gringo-Safari-Hut parat habe, passend zum restlichen Fremdkörperlook. Sonne, Schwimmbad, Jungle, Blumen, Bier, Grillschwein mit Reisfüllung, Obenohnedorfmopedgangs, Marktplatz, Eisverkäufer, Riesenfruchtbecher und Diät. So! Welches Wort passt hier gar nicht rein? Rrrrriiiichtig – der Conny darf kein Bier, keine Limonade, keine Citrusfrüchte, kein Fett, nix Scharfes, nix Süsses, kein Café(aahhhhh), keine Milchprodukte, keine Cola, kein Alkohol, keine Dosenprodukte und keine abgepackten Produkte sowie nichts Fritiertes essen. Weil er sonst wieder die kleinen Biester nährt die hungrig in seinem Rachen warten um sich wieder zu vermehren… Zieh das mal durch im Grillhähnchenland! Mittlerweile bin ich aber wieder zu 90% hergestellt und nutze die Zwangspause um einen neuen Kolumbo-Alkohol-Abstinenz-Rekord aufzustellen: schon 15 Tage und jeder weitere ist eine unfassbare Zugabe. Armselig aber wahr. Solche Bilder haben dann Seltenheitswert. Aber ist ja auch kein Wunder, in so einem Dörfchen zum Beispiel wird um 10Uhr das Frühstück (z.B. Tamal – eine heisse Teigmasse mit Hühnchen, Mais, Gemüse und Rindfleisch) weggeräumt und nur noch Bier und Mittagessen (in meinem Fall mal wieder die absolute Light Variante) verkauft. Da trinkt das ganze Dorf nur noch Biers… Passiert ja aber auch sonst nix… Taxis gibts quasi auch nicht, das waren einfach am Marktplatz geparkte Privatautos die einen zum Schwimmbad fahren. Mit Müh und Not wurden 2 Restaurants gefunden, dafür aber 5 Bäckereien und unzählige dieser Läden die einfach aaaaalles verkaufen was man nicht braucht. Nebst Chips, Zigaretten und Kaugummis. Neueste Eroberung: ein 60Cent Schachspiel! Es muss hier aber auch einen Bedarf an Chipszigarrenkaugummis geben, wie er weltweit einzigartig sein dürfte! Oder mag das ein Franchising sein, da jeder genau die gleichen Sorten verkauft??? Wie dem und jenem auch sei erfreute ich mir der besten Frutería des Dorfes, naja, auch der einzigen. Ein Fruchtladen in dem man die Bombenfruchtbecher mit einem Lächeln und einem Schwätzchen serviert bekommt und anschliessend zum Essen eingeladen wird. Schlackerste mit den Ohren. Ick sags dir! Ne Wonne. Und insgesamt auch ein sehr cooler Ausritt aus Bogotá. Das Tolle ist hier ja, mal abgesehen von den leckeren Früchten (in Bogotá ist das auch mein täglich Frühstück und wir schreiben quasi schon beim Fruchtstandmann an, wenn er mal wieder auf drei Euroscheine nicht rausgeben kann), dass man egal wohin man von Bogotá aus reist, man in wärmere Gefilde kommt – tierra caliente heisst das. So macht es auch null aus und man ist sogar eher froh drum wenn man im Regen durch die Strassen von Agua de Dios laufen kann – eben tierra caliente. In Bogotá krieg ich dagegen Mittagssonne nur durchs Bürofenster und danach meist nur kalt-nasse Buxen wenn ich dann um 6uhr nach Hause gehen darf, weil dann oft ein Donnerwetter beginnt, das dich gewaschen hat. Uncool. Ebenfalls uncool ist der Rio Bogotá der auf der Rückfahrt zu bestaunen war, pure schwarze Masse garniert mit weissem, dicken Schaum.

Viele Grüsse aus dem Land der bestenbilligsten Fruchtbecher der Welt,

Cono





San Gil y Barichara: Rafting, Carne y Parásitos

15 11 2007

Sa morgens um 5 Uhr zum Terminal, man muss nur verhandeln, da geht immer was. Und Preise sind hier sowieso so fix wie weichgekochte Spaghetti. Wir durften im Bus eine ganze halbe Stunde schlafen ehe der Kampfhahn im Sack gekräht hat, der ins 8 Stunden weitergelegene San Gil geschleppt wurde… Prima, dann weiss man wenigstens wann 6 Uhr ist und wann man wach ist obwohl man schlafen sollte… Trick 1: machen wie die Kolumbianer – um 7 Uhr den ersten Aguardiente gegen die Reisestrapazen beim Zwischenstop. War dann doch zu arg auf nüchternen Magen. Deshalb gab es zum Mittagessen DIE Spezialität des Departments Santander schlechthin neben den gerösteten Ameisen: gegrillte Ziege! Und allein das „Probierstückchen“ war ein 100g Steak. Gespart wird dann an Servietten, Besteck oder Tellern, ist ja auch nicht so wichtig, der Mann hat schliesslich zwei starke Hände, um Wild so zu erlegen, da wird er es auch mit toter Ziege aufnehmen können. Bislang das beste Fleisch, dass das wo ich hier gegessen haben tu. Da vergisst man gerne, dass es an der Hauptstrasse gegrillt wird, neben Werkstätten und vorbeibrausenden Lastwagen. Aber die werden ja bestimmt alle KAT haben. Und stauben tuts ja auch kaum. Wie auch immer, es wird offiziell heftigst dementiert, dass die Hauptstrassengrillziege der Grund für späterfolgende Erkrankung sein kann. Das muss der Rio Fonce am nächsten Tag gewesen sein, der war braun wie Café und es machte einen heiden Spass im Docky zu dritt zu raften (VIEDO), zumal der Fluss gerade Hochwasser hatte. Viele Freunde später gings wieder Ziege essen. Hmmm… Ziege… Als Beilage gabs übrigens Hähnchen, wenn das nicht männlich ist. Wir waren im Nationalpark Gallineral, atemberaubende Farben und Pflanzen, sehr schön. Wir hostierten im Hostel, Lonely Planet sei dank und später gings mit dem australischen Besitzer Shawn, dem ganzen Hostel, Franzosen, nem Venezuelaner, nem Holländer, Waliser, Kolumbianer und Amis in nen Club um schäbig zu tanzen. Ich verzichtete diesmal auf Unmengen Aguardiente aber ganz ohne lässt du dich dann doch nicht auf der Tanzfläche vergewaltigen. Trick 2: Bein zwischen IHRE Schenkel klemmen und einfach versuchen nicht hinzufallen, das begrenzt schonmal den Schaden und man fällt erst nach 3 min als Vollhorst auf statt sofort. Ich hake all die Demütigung mal unter „Tanzunterricht“ ab. Am nächsten Morgen gings dann los mit hohem Fieber nach Barichara, ein malerisches Dörfchen, das jeder empfiehlt, vielleicht das idyllischste überhaupt in ganz Kolumbien. Und es ist auch wirklich eine wahre Filmkulisse. Keine Ahnung, warum sich da jeder beschwert, weil man plötzlich auffällt und auf spanglish angesprochen wird, sobald man mit MIR zusammen reist. Ich kann doch nix dafür… Isch bin nunmal hässlisch, wat sollsch denn machn?

Trick 3: niemals mehr aus dem Haus gehen ohne Antibrechreiztabletten, Antidünnschkohlebundeswehrtabletten und Antifiebertabletten. Das sind die dreisten Drei- der Standard Pack. Und auch diese Heimreise, bei der man auf der Strasse sitzenden Kühen ausweichen musste, war einmal mehr der Horror. Doofe Parasiten- arrr… „Trink ein Soda, das hilft sofort“ sagt der clevere Kolumbianer im Reisebus und nach einem Schluck wär mir dann auch fast der Darm explodiert vor lauter Kohlensäure. Merke also: Niemals Kohlensäure mit einem Tropfen Wasser versehen auf starke Bauchschmerzen trinken. Nicht so, dass ich mir das nicht auch vorher gedacht hätte, aber die Leute sind da etwas penetranter und statt dir etwas lediglich ans Herz zu legen, legen sie dir eher die Flasche an den Hals. Genauso wie mein Nachbar Don Pedro back home: „Nimm einfach diese 2 Tabletten“! Klaro, wieso denn nicht! Das wird bestimmmmmt genauuuu das sein, was ich nun brauche, irgendwelche weisse Tabletten ohne Beschriftung und Erklärung. Ohnehin gibt es keine Verpackungsbeilagen, nur Schachteln. Und Antibiotikum kauft man um die Ecke ohne Rezept… Aha… Aber die Leute sind eingeschnappt, wenn man das nicht annimmt. So hab ich dann wenigstens den Zitronenschalenteetip angenommen, der mich im Nu wieder herstellen sollte. Mein Arzt in der nächsten Nacht hat mir dann meine 10 Verbote auf einer Steintafel überreicht, wo ausdrücklich KAAAHIIIIENE Zitrusfrüchte ausgewiesen wurden. Jo, da braucht man sich nicht wundern, wenns mal kracht im Darm wenn jeder Schamane was anderes erzählt. Und die folgende Woche kennt ihr ja, das Bett (meine 10cm dicke Matratze auf dem Boden) wurde mein bester bester Freund.

Beste Grüsse aus dem Land der reissenden Flüsse, der danach eisigen Füsse, der entgleissenden Flüsse(!), der reisenden Schamanen und reizenden Damen

Cornelius