Jahrhundertunwetter in Bildern…

20 11 2007

Ich muss leider/ zum Glück wiederholen, dass ich zufällig gar nicht mitbekam vom Unwetter in Bogotá am Wochenende vom 3. bis 5. November 2007. Ich ging Sa morgens früh weg (ca. 400km) und kam Montag Nachts heim und für mich war alles normal.

Hier gibt’s eine Powerpoint zum Thema und ein paar schöne Bilder… Ich wohne in „Chapinero“ :

Unwetter in Bogotá

Viele Grüsse aus dem Land der abertausend Hagelkörner





Agua de Dios – Kurausflug

19 11 2007

In Deutschland käme man wohl kaum auf die Idee in ein Popeldorf mit 1000 Einwohnern zu fahren um Bilder wie der letzte Japaner zu schiessen. Hier schon. Zumal ich ja bekanntermassen genug Trouble hatte und mich immernoch erholen sollte. Agua de Dios, 2 Stunden von Bogotá, 13.000Pesos (-> Währungsrechner hier) und eine verspätete Abfahrt auf die natürlich eine dickflüssige Verkehrsdurchquerung folgte (nein, ich spreche diesmal ausnahmsweise nicht von Fekalien – ein dickes ‘Entschuldigung’ an dieser Stelle vor allem an alle weiblichen Blogleser – nicht dass man denkt hier sei alles ‚scheisse’). Regel Nummer eins: Frag am Terminalschalter (Busbahnhofsticketverwaltungsservicepoint) nach dem Preis für Einheimische und bestehe darauf NICHT den Gringopreis zu bezahlen. Plötzlich ist eine Preisspanne wie zB von 46.000COP auf 25.000COP drin oder ein Snickers kostet statt 3.000COP nur noch 1.400COP und das „bestebilligste“ Bier wird von 2.500 auf läppische 1.200COP gedrückt… Jaja, der Gringo Conny… Das ist schon ein verdammter Fluch. Im Best Case werde ich ja nur mit einem fürterlichen Spanglisch gefoltert. Oh, da habe ich auch neues dazugelernt: ein „issä jo naa“ darf auch gut und gerne als ein „What is your name?“ akzeptiert werden… Aber mal ehrlich, das ist auch wirklich ein Satz, den man nur als Profi können kann. Das ist schon advanced spanglish.

Back to basic: Mit dem Bus also jen Süden gedonnert. Und mit donnern meine ich donnern. Und zwar bei den Schlaglöchern den Schädel an Dach und Scheibe donnern. Diese Art von donnern… Was absolut different ist zum „zügig durch den Verkehr donnern“, nicht verwechseln. Drei gute Stunden und Tausend Tode (auf dem Weg durch die Landschaft Schluchten passiert wie sie in ‚Herr der Ringe’ nicht tiefer sind) später angekommen, haut einem die Sonne mit dem Vorschlaghammer auf den Deckel. Gut, dass ich meinen Ranger-Gringo-Safari-Hut parat habe, passend zum restlichen Fremdkörperlook. Sonne, Schwimmbad, Jungle, Blumen, Bier, Grillschwein mit Reisfüllung, Obenohnedorfmopedgangs, Marktplatz, Eisverkäufer, Riesenfruchtbecher und Diät. So! Welches Wort passt hier gar nicht rein? Rrrrriiiichtig – der Conny darf kein Bier, keine Limonade, keine Citrusfrüchte, kein Fett, nix Scharfes, nix Süsses, kein Café(aahhhhh), keine Milchprodukte, keine Cola, kein Alkohol, keine Dosenprodukte und keine abgepackten Produkte sowie nichts Fritiertes essen. Weil er sonst wieder die kleinen Biester nährt die hungrig in seinem Rachen warten um sich wieder zu vermehren… Zieh das mal durch im Grillhähnchenland! Mittlerweile bin ich aber wieder zu 90% hergestellt und nutze die Zwangspause um einen neuen Kolumbo-Alkohol-Abstinenz-Rekord aufzustellen: schon 15 Tage und jeder weitere ist eine unfassbare Zugabe. Armselig aber wahr. Solche Bilder haben dann Seltenheitswert. Aber ist ja auch kein Wunder, in so einem Dörfchen zum Beispiel wird um 10Uhr das Frühstück (z.B. Tamal – eine heisse Teigmasse mit Hühnchen, Mais, Gemüse und Rindfleisch) weggeräumt und nur noch Bier und Mittagessen (in meinem Fall mal wieder die absolute Light Variante) verkauft. Da trinkt das ganze Dorf nur noch Biers… Passiert ja aber auch sonst nix… Taxis gibts quasi auch nicht, das waren einfach am Marktplatz geparkte Privatautos die einen zum Schwimmbad fahren. Mit Müh und Not wurden 2 Restaurants gefunden, dafür aber 5 Bäckereien und unzählige dieser Läden die einfach aaaaalles verkaufen was man nicht braucht. Nebst Chips, Zigaretten und Kaugummis. Neueste Eroberung: ein 60Cent Schachspiel! Es muss hier aber auch einen Bedarf an Chipszigarrenkaugummis geben, wie er weltweit einzigartig sein dürfte! Oder mag das ein Franchising sein, da jeder genau die gleichen Sorten verkauft??? Wie dem und jenem auch sei erfreute ich mir der besten Frutería des Dorfes, naja, auch der einzigen. Ein Fruchtladen in dem man die Bombenfruchtbecher mit einem Lächeln und einem Schwätzchen serviert bekommt und anschliessend zum Essen eingeladen wird. Schlackerste mit den Ohren. Ick sags dir! Ne Wonne. Und insgesamt auch ein sehr cooler Ausritt aus Bogotá. Das Tolle ist hier ja, mal abgesehen von den leckeren Früchten (in Bogotá ist das auch mein täglich Frühstück und wir schreiben quasi schon beim Fruchtstandmann an, wenn er mal wieder auf drei Euroscheine nicht rausgeben kann), dass man egal wohin man von Bogotá aus reist, man in wärmere Gefilde kommt – tierra caliente heisst das. So macht es auch null aus und man ist sogar eher froh drum wenn man im Regen durch die Strassen von Agua de Dios laufen kann – eben tierra caliente. In Bogotá krieg ich dagegen Mittagssonne nur durchs Bürofenster und danach meist nur kalt-nasse Buxen wenn ich dann um 6uhr nach Hause gehen darf, weil dann oft ein Donnerwetter beginnt, das dich gewaschen hat. Uncool. Ebenfalls uncool ist der Rio Bogotá der auf der Rückfahrt zu bestaunen war, pure schwarze Masse garniert mit weissem, dicken Schaum.

Viele Grüsse aus dem Land der bestenbilligsten Fruchtbecher der Welt,

Cono





San Gil y Barichara: Rafting, Carne y Parásitos

15 11 2007

Sa morgens um 5 Uhr zum Terminal, man muss nur verhandeln, da geht immer was. Und Preise sind hier sowieso so fix wie weichgekochte Spaghetti. Wir durften im Bus eine ganze halbe Stunde schlafen ehe der Kampfhahn im Sack gekräht hat, der ins 8 Stunden weitergelegene San Gil geschleppt wurde… Prima, dann weiss man wenigstens wann 6 Uhr ist und wann man wach ist obwohl man schlafen sollte… Trick 1: machen wie die Kolumbianer – um 7 Uhr den ersten Aguardiente gegen die Reisestrapazen beim Zwischenstop. War dann doch zu arg auf nüchternen Magen. Deshalb gab es zum Mittagessen DIE Spezialität des Departments Santander schlechthin neben den gerösteten Ameisen: gegrillte Ziege! Und allein das „Probierstückchen“ war ein 100g Steak. Gespart wird dann an Servietten, Besteck oder Tellern, ist ja auch nicht so wichtig, der Mann hat schliesslich zwei starke Hände, um Wild so zu erlegen, da wird er es auch mit toter Ziege aufnehmen können. Bislang das beste Fleisch, dass das wo ich hier gegessen haben tu. Da vergisst man gerne, dass es an der Hauptstrasse gegrillt wird, neben Werkstätten und vorbeibrausenden Lastwagen. Aber die werden ja bestimmt alle KAT haben. Und stauben tuts ja auch kaum. Wie auch immer, es wird offiziell heftigst dementiert, dass die Hauptstrassengrillziege der Grund für späterfolgende Erkrankung sein kann. Das muss der Rio Fonce am nächsten Tag gewesen sein, der war braun wie Café und es machte einen heiden Spass im Docky zu dritt zu raften (VIEDO), zumal der Fluss gerade Hochwasser hatte. Viele Freunde später gings wieder Ziege essen. Hmmm… Ziege… Als Beilage gabs übrigens Hähnchen, wenn das nicht männlich ist. Wir waren im Nationalpark Gallineral, atemberaubende Farben und Pflanzen, sehr schön. Wir hostierten im Hostel, Lonely Planet sei dank und später gings mit dem australischen Besitzer Shawn, dem ganzen Hostel, Franzosen, nem Venezuelaner, nem Holländer, Waliser, Kolumbianer und Amis in nen Club um schäbig zu tanzen. Ich verzichtete diesmal auf Unmengen Aguardiente aber ganz ohne lässt du dich dann doch nicht auf der Tanzfläche vergewaltigen. Trick 2: Bein zwischen IHRE Schenkel klemmen und einfach versuchen nicht hinzufallen, das begrenzt schonmal den Schaden und man fällt erst nach 3 min als Vollhorst auf statt sofort. Ich hake all die Demütigung mal unter „Tanzunterricht“ ab. Am nächsten Morgen gings dann los mit hohem Fieber nach Barichara, ein malerisches Dörfchen, das jeder empfiehlt, vielleicht das idyllischste überhaupt in ganz Kolumbien. Und es ist auch wirklich eine wahre Filmkulisse. Keine Ahnung, warum sich da jeder beschwert, weil man plötzlich auffällt und auf spanglish angesprochen wird, sobald man mit MIR zusammen reist. Ich kann doch nix dafür… Isch bin nunmal hässlisch, wat sollsch denn machn?

Trick 3: niemals mehr aus dem Haus gehen ohne Antibrechreiztabletten, Antidünnschkohlebundeswehrtabletten und Antifiebertabletten. Das sind die dreisten Drei- der Standard Pack. Und auch diese Heimreise, bei der man auf der Strasse sitzenden Kühen ausweichen musste, war einmal mehr der Horror. Doofe Parasiten- arrr… „Trink ein Soda, das hilft sofort“ sagt der clevere Kolumbianer im Reisebus und nach einem Schluck wär mir dann auch fast der Darm explodiert vor lauter Kohlensäure. Merke also: Niemals Kohlensäure mit einem Tropfen Wasser versehen auf starke Bauchschmerzen trinken. Nicht so, dass ich mir das nicht auch vorher gedacht hätte, aber die Leute sind da etwas penetranter und statt dir etwas lediglich ans Herz zu legen, legen sie dir eher die Flasche an den Hals. Genauso wie mein Nachbar Don Pedro back home: „Nimm einfach diese 2 Tabletten“! Klaro, wieso denn nicht! Das wird bestimmmmmt genauuuu das sein, was ich nun brauche, irgendwelche weisse Tabletten ohne Beschriftung und Erklärung. Ohnehin gibt es keine Verpackungsbeilagen, nur Schachteln. Und Antibiotikum kauft man um die Ecke ohne Rezept… Aha… Aber die Leute sind eingeschnappt, wenn man das nicht annimmt. So hab ich dann wenigstens den Zitronenschalenteetip angenommen, der mich im Nu wieder herstellen sollte. Mein Arzt in der nächsten Nacht hat mir dann meine 10 Verbote auf einer Steintafel überreicht, wo ausdrücklich KAAAHIIIIENE Zitrusfrüchte ausgewiesen wurden. Jo, da braucht man sich nicht wundern, wenns mal kracht im Darm wenn jeder Schamane was anderes erzählt. Und die folgende Woche kennt ihr ja, das Bett (meine 10cm dicke Matratze auf dem Boden) wurde mein bester bester Freund.

Beste Grüsse aus dem Land der reissenden Flüsse, der danach eisigen Füsse, der entgleissenden Flüsse(!), der reisenden Schamanen und reizenden Damen

Cornelius





Erklärungsnot für Infostop

13 11 2007

Zum Unwetter kann ich nicht viel sagen, da ich selbst nicht da war und gerade zum ersten Mal wieder quasi Kontakt mit der Welt habe. Zur Übersicht nochmals die hard facts:

· 3.-5. Nov: SAN GIL (8h von Bogotá) – Erlebnisrafting, Grillziege, Parasiten und Besuch des Kult-Dörfchens BARICHARA

· 5.-9. Nov: BOGOTÁ – krank im Bett, krampfend, gelangweilt und bekocht

· 10.-12 Nov: Dörfchen AGUA DE DIOS (3h von Bogotá) zum erholen, Diät- Früchte essen, schlafen und Sonne tanken

Meine Erklärung soll mal den Reiseberichten der vergangenen Wochen vorausgeschickt werden: zum einen tagelanger Internetausfall vor 2 Wochen, zum anderen beschäftigt im Büro und auf einer kleinen Softwaremesse (Microsoft hatte sogar nen Barmixer am Start, die habens halt dicke…) knapp 13h im Einsatz.

Und vor allem: Lauter kleine Dinger, kleine Freunde, knuffige Mitstreiter, gierige Zugaufspringer die alle was vom Kuchen abhaben wollen – und ich muss alle ernähren – Ich habe mir auf der letzten Wochenendreise am 5. November in San Gil Parasiten eingefangen! Dolle Wurst denkt man… Falsch gedenkt, denn gar nix mit Wurst, nur Dünnsch mal wieder. Begleitet von den Magenkrämpfen, die selbst Gorilla in die Knie zwängen. Heimkehr von San Gil am verlängerten Wochenende mit Raphael (meinem Mitbewohner), wo ich am letzten Tag (Montag) schon mit Fieber durch die Stadt geisterte wie ein Zombie, mal wieder kurz vor dem Scheintod durch Dehydration, musste ich am Dienstag bei der Arbeit erstmal passen. ‚Bleibste nen Tag daheim und ruhst dich aus, wird schon werden…’ – Oh ja, wurde auch. Und zwar immer krasser – am Abend bin ich vor Schmerzen fast zusammengebrochen und musste mich dann um kurz vor 22Uhr in die Notaufnahme begleiten lassen, weil das die Jahrhundertmagenkrämpfe waren. Die folgenden Tage wurden dann mit Fieber, viel Krampf, viel Medikamenten (Ja, Conny nimmt tatsächlich Tabletten, hat mich auch überrascht!) und Schlaf verbracht begleitet von vielen kleinen kiffenden Kolumbianerinnen, die alle anscheinend Obdach bei Ihrer Freundin Angelica in unserem Haus suchen. Alles Costeñas („von der Küste“). Ich sag Euch, die Küste muss wie leergefegt sein, waren doch am Fr gut und gerne 10 Leute am Start… Haben kein Geld zum telefonieren, treffen sich aber aus ganz Lateinamerika kommend bei uns. Mittlerweile wunderts mich gar nicht mehr, wenn ich irgendwelche muñequitas (Püppchen) sehe, die am nächsten Tag um 10 aufstehen und zum Duschen erstmal nen Joint brauchen… Alles Artistinnen, Designer, Sänger und Lebenskünstler. „Ich war drei Monate in Buenos Aires, aber es war langweilig.“ – „was hast denn dort gemacht?“ – „nix“… Hmmm???! Ob da ein Zusammenhang bestehen mag? Eigentlich auch echte Parasiten… Sogar ziemlich… Das Haus hat sich also Parasiten eingefangen. Well, have to get rid of that shit… Wird nun mal ein klärendes Wörtchen gesprochen, aber gut, dass ich die letzten beiden WE nicht zuhause war. Dennoch: Angie ist eine komplette Mama und die Mädels kochen einem dann lecker, wobei lecker seeeehr relativ ist, muss ich nun einen striktesten Diätplan einhalten und nachdem ich zwischenzeitlich auch 30h ohne Essen auskam, hab ich auch gut wieder das eine oder andere teuer erfutterte Pfund abgenommen.

Viele Grüsse aus dem Land der weltgrössten Hagelkörner und Parasitenpopulationen,

Cono