Ein Traum wurde wahr, dank an alle Sponsoren und jeglichen Support, dass ich diese spektakulärste für mich Lieblingsreise machen durfte. Schon kurze Zeit nach meiner 16-tägigen Panamáreise zurück im Büro für läppische drei Tage (da wächst mir ja gerade mal ein Bart), gings mit dem Flieger und Raphael- el Profe und seinem Freund Christian in den Amazonasregenwald- da regnets halt. Doll. Wundervoll schon der Anflug, so weit das Auge reicht Regenwald, der 1/3 Kolumbiens bedeckt, was immer noch grösser ist als West- UND Ostdeuschtland zusammen. Sind ja nun wieder vereinigt, kann ich oft fachmännisch erzählen. Manchmal muss ich auch die freundlich gemeinten „Viva Panamá, viva Alemania, viva Hitler“- Freudenegsänge zurückweisen, aber Gastfreundschaft geht eben über vieles und das hat ja nun eigentlich auch nix mehr mit dem schönen Grünen von oben zu tun. Generell muss ich aber gerade mal doch einen Speer biegen und eine Lanze brechen für Klumbumbien: ein hochkulturelles, geographisch einzigartiges Land mit auch wirtschaftlich enormem Potential, das zu Unrechtestens einen miesen Ruf hat wegen den Problemen, die hier noch vorherrschen, die nicht alle hausgemacht sind – will sagen: Kokainkonsumländer aus Europa und USA sollten erst recht die Klappe halten, denn ohne Nachfrage gäbe es kein Angebot! Und dass die Kirche die Sklavenhaltung von Indianern in der Kolonisationszeit verwaltete und die USA die verschiedenen terroristischen Gruppen mit Waffen beliefert um den Narcotrafico (Kokainhandel) zu bekämpfen, sind alles Aspekte die man auch mal kritischer beäugen darf. Aber die Kirche hat wohl keinen schlechten Ruf, wohl noch immer zu viel Macht und Prunk dahinter… Da fällt der Apfel nicht weit vom Stamm und so (sagt man) wird die FARC inoffiziell von der Uribe- Regierung benutzt um die unangenehmeren Arbeiten angenehmer zu erledigen, was er mit dem Militär nicht machen könnte. Die FARC kann man auch nur vom Militär unterscheiden durch die Kolumbienarmbinde. Und noch durch die Entführungen, durchaus ein weiterer Unterschied der beiden. Auf der anderen Seite, welch Zufall, hat sich der allseits beliebte Sr. Chavez aus Venezuela „diplomatisch“ eingesetzt und mit der Guerilla verhandelt, um zwei entführte Kolumbianer zu befreien. Links und Links versteht sich eben. Spassig war dann auch die TV- Propaganda, in der die Befreiten Sr. Hugo Chavez (Erzfeind Kolumbiens) noch im Rettungshubschrauber in den Himmel lobten und man die venezuelanische Suffleur-Stimme noch immer deutlich im Hintergrund hören konnte. Alle Kolumbianer haben sich dann umso mehr über Chavez aufgeregt. Und so schleimt der eine und so schmiert der andere und so entführen die Dritten. So, prima abgeschweift! Dolle Wurst, aber die war reif wie eine matschige Papaya und musste mal raus.
7 Tage Amazonas: Kurzfassung: Kolumbien – Brasilien – Peru – Brasilien – Kolumbien und Punkt. Directors Cut: ins billigste Loch in Leticia, Kolumbien eingecheckt, Kakerlaken gratis, mit dem Mototaxi zum Abendessen nach Brasilien (Sicherheit geht vor, also wurde der Helm von Hand festgehalten, da er sonst vom Fahrtwind runtergeblasen worden wäre), am nächsten Morgen für 3 Tage in die (so weit man eben kommt in 6 Stunden) Tiefen des peruanischen Amazonasdschungels eingetaucht. Kleine Gruppe, wir drei und 2 Spanierinnen. Plus Ticuna Indianer, plus Peruaner der eine fremde Sprache zu sprechen scheinte plus nem Typen der von nix ne Ahnung hatte, aber dafür immer herrlich gelacht hat – el pansón Edison. Die Hinfahrt über den Seitenarm vom Rio Yavarí war natürlich schon das eigentliche Spektakel so wie der Weg nunmal das Ziel ist. Man sieht wirklich Affen in den Bäumen, Schmetterlinge, Vögel, Adler, Papageie, ein Faultier, Libellen und unidentifizierte Flugobjekte, die so dick sind, dass sie dir vor lauter Manövrierunfähigkeit ne Beule an die Stirn knallen in ihrem Sturzflug. Und sowieso jede Menge Stechdingsbumsinsekten. Die stechen durch den Schuh. In meinen Augen ja ein klarer Regelverstoss. Aber scheint die weniger zu jucken, mich dafür umso mehr. Was machen? Haltung annehmen, sich zuschnüren, Helm auf gegen Sturzbomberkäfer, die Empanadas rausschwitzen und die noch freiliegenden Fingernägel und Augenwimpern mit viel Mosquito-Repelente aufweichen!
Wie erkennt man einen Ausländer im Amazonas? Er trägt Gummistiefel auf dem Boot und läuft Barfuss an Land herum, um in 5min die Stiche der letzten 6h nachzuholen. Wie erkennt man den Kenner: er will nicht ertrinken wg den unter-wasser-nicht-ausziehbaren(!) Stiefeln und wird an Land lieber von Schlangen in den Gummistiefel gebissen statt in den Knöchel. Woran erkennt man den Indio: er hat keine Stiefel, fällt auch nicht von Bord obwohl er immer auf der vordersten Spitze rumturnt, die Mücken werden von ihm gestochen und für jegliche Bisse findet er eh sofort die giftige Gegengift-Giftpflanze, die eigentlich irgendwie alle gleich aussehen. Vom Boot gefallen ist dann aber zwei Nächte zuvor tatsächlich der Schwager des Indios der Reserva Zacambú in Peru, der uns die Hängematte bei sich hat aufspannen lassen um uns über die Mythen und Gefahren im Dschungel zu erzählen (mehr als spannend!). Der besagte 35-jährige Mann war betrunken nachts beim fischen oder Cayman-jagen ins Wasser gefallen (mit Stiefeln, da hast du den Salat!!!) und bei der Strömung und nachts und denen Peque-Peques (kleine Schwankboote) und den Tieren… Da gibt es nicht so viel Überlebenswarscheinlichkeit aber hundert Möglichkeiten in die nächste körperlose Dimension überzugehen. So wird es dort übrigens gesehen, man kann auch zeitweise zurückkehren und in andere Körper oder Tiere schlüpfen. Das haben sie uns aber nun nicht erzählt, wie man das schafft. Arrghh. Delfine gesehen, geangelt, gefischgegessen, Fariña-Produktion (ein hartes Pulver aus Yuca) gesehen, nachts Caymane gejagt, Piranhas waren überall und dennoch konnte man sich baden, durch den Dschungel sind wir gewandert (beim Zuckerrohr essen), eine andere abgelegene Gemeinschaft besucht, Fussball mit echten Indio-Mädels gespielt, Tiere Tiere Tiere, gaaanz wunderschön. Die geilsten Bewohner von allen, mal abgesehen vom Wassertiger, den noch so gut wie niemand gesehen hat der es überlebt hätte, sind die wunderbaren Kapuzineräffchen. Sowas hat mich auch schon in Panamá gebissen (Bild berichtete). Die liefen frei rum, ziehen die eine Katze am Schwanz, beissen dem Hund ins Bein, stecken dir den Finger ins Ohr und tapsen in dein Wasserglas, rennen das Huhn übern Haufen weil sie wissen, dass sie stärker sind und halten die andre Katze fest um sie von hinten zu rammeln, bevor sie die Wasserleitung vom Tank auf dem Dach kappen und im Baum verschwinden. Kurzum, ein erfülltes Leben, das sich nur um Schabernack dreht – in meinem nächsten Leben will ich ein Mico sein, nicht zuletzt weil es eine echt heisse Mietze war… Und ansonsten bleibt mir nur noch das Fazit: manche Flecken auf der Erde sollten einfach vom Menschen oder von der modernen Welt unberührt und unbeobachtet bleiben.
In diesem Sinne, beste Grüsse aus dem Land der 30 Mückenstiche (pro Knöchel)
